Fast jede Suchanfrage in Europa landet am Ende bei Google oder Microsoft. Dieser Beitrag erklärt, warum das ein Risiko ist und warum jeder Qwant und Ecosia ausprobieren sollte.

Wer im Internet nach Nachrichten, Produkten, Ärzten oder Handwerkern sucht, öffnet meist Google. In Europa laufen laut StatCounter knapp 89 Prozent aller Suchanfragen über Google und gut 5 Prozent über Microsoft Bing (Stand September 2026). Kaum jemand fragt sich, woher die Ergebnisse eigentlich kommen. Die Antwort ist einseitiger, als man denkt: Auch viele Suchmaschinen, die nicht Google heißen, zeigen Ergebnisse aus den Datenbeständen von Google oder Microsoft.

Europa ist bei der Internetsuche damit von zwei amerikanischen Unternehmen abhängig. Diese beiden legen fest, wer ihre Suchergebnisse nutzen darf, zu welchem Preis und wie lange.

Was ein Suchindex ist

Eine Suchmaschine durchsucht nicht in dem Moment, in dem man auf Enter drückt, das gesamte Internet. Sie greift auf eine vorher angelegte Datenbank zurück, den Suchindex.

Um diesen Index aufzubauen, besuchen automatische Programme, sogenannte Crawler, laufend Milliarden von Webseiten. Sie lesen die Inhalte aus und legen sie so ab, dass sie sich in Sekundenbruchteilen durchsuchen lassen. Bei jeder Anfrage entscheidet dann ein Rankingverfahren, welche Treffer in welcher Reihenfolge erscheinen.

Ohne einen großen und aktuellen Index gibt es keine brauchbare Websuche. Der Betrieb ist allerdings sehr teuer. Die Webseiten müssen ständig neu besucht werden, und Rechenzentren, Speicher und Datenleitungen kosten viel Geld.

Viele Suchmaschinen, wenige Indizes

Weil ein eigener Index so teuer ist, betreiben die meisten Suchmaschinen keinen. Sie kaufen die Ergebnisse bei einem großen Anbieter ein und gestalten nur die Oberfläche selbst.

DuckDuckGo bezieht einen großen Teil seiner Ergebnisse von Microsoft Bing. Startpage zeigt Ergebnisse von Google. Auch Qwant und Ecosia haben lange auf Bing und Google zurückgegriffen und tun das teilweise bis heute.

Für den Nutzer sieht das nach Auswahl aus. Tatsächlich führen fast alle Wege zu denselben zwei Indizes. Wer eine dieser Suchmaschinen betreibt, ist darauf angewiesen, dass Google oder Microsoft weiter liefern.

Warum fast alle bei Google landen

Googles Marktanteil erklärt sich nicht allein durch gute Ergebnisse. Ein großer Teil kommt aus Voreinstellungen. Google zahlt Apple Milliarden dafür, in Safari die voreingestellte Suchmaschine zu sein. Für das Jahr 2022 waren es rund 20 Milliarden Dollar. Auf den meisten Android Geräten und im Browser Chrome war Google lange ohne jede Nachfrage eingestellt.

Ein US Bundesgericht stellte im August 2024 fest, dass Google sein Monopol bei der Websuche mit solchen Verträgen rechtswidrig abgesichert hat. Im September 2025 verbot das Gericht exklusive Verträge dieser Art. Zahlungen für die Voreinstellung bleiben aber erlaubt. In der EU müssen Android und Chrome seit März 2024 beim Einrichten eine Auswahl an Suchmaschinen anzeigen. Das schreibt das EU Gesetz über digitale Märkte vor, der Digital Markets Act.

Die meisten Menschen haben Google also nie bewusst ausgewählt. Sie haben die Voreinstellung behalten.

Microsoft hat gezeigt, wie schnell der Zugang wegfallen kann

Im Mai 2023 erhöhte Microsoft die Preise für seine Bing Search APIs. Das sind die Schnittstellen, über die andere Anbieter Ergebnisse aus Bing abrufen. Je nach Tarif stiegen die Kosten bis auf das Zehnfache. Ein Anbieter mit zehn Millionen Anfragen im Monat, der bisher 10.000 Dollar zahlte, hätte danach bis zu 100.000 Dollar zahlen müssen. Für viele kleinere Dienste geht eine solche Rechnung nicht mehr auf.

Am 11. August 2025 stellte Microsoft diese Schnittstellen ganz ein und verwies seine Kunden auf neue Angebote, die stärker auf KI ausgerichtet sind. Suchmaschinen mit eigenen Partnerverträgen verloren an diesem Tag nicht automatisch ihre Ergebnisse. Ein öffentlich zugänglicher Weg zu einem der beiden großen Indizes war aber verschwunden.

Wer in einer solchen Lage keinen eigenen Index hat, braucht schnell einen anderen Anbieter, der technisch passt und bezahlbar ist. Einen eigenen Index baut niemand in ein paar Wochen auf. Betroffen sind dabei nicht nur Suchmaschinen, sondern auch Recherchedienste und Software mit eingebauter Websuche.

Ob Microsoft damit Wettbewerber verdrängen wollte, ist nicht belegt. Das Problem bleibt trotzdem bestehen: Wer die Grundlage eines Marktes besitzt, kann dessen Regeln jederzeit ändern.

Was die EU dagegen unternimmt

Nach dem Digital Markets Act muss Google konkurrierenden Suchmaschinen anonymisierte Suchdaten zur Verfügung stellen: welche Begriffe gesucht wurden, welche Ergebnisse erschienen und welche angeklickt wurden. Gerade diese Daten machen Google so gut, denn jede Suchanfrage zeigt, welche Treffer für Nutzer wirklich relevant sind.

Am 16. Juli 2026 hat die Europäische Kommission festgelegt, wie Google diese Pflicht erfüllen muss. Ab Januar 2027 muss Google die Daten an berechtigte Suchmaschinen liefern, zu einem Preis, den Google nach einer Formel der Kommission berechnet und nicht frei festlegen darf. Kleinere Anbieter sehen damit erstmals in großem Umfang, wonach Menschen suchen und welche Treffer sie anklicken, und können ihre eigenen Ergebnisse daran verbessern. Den Index selbst und den Suchalgorithmus muss Google nicht herausgeben.

Ob die Regelung hilft, muss sich erst zeigen. Google darf vorher prüfen, ob die Weitergabe an einen bestimmten Anbieter ein ernstes Risiko für Sicherheit oder Datenschutz bedeutet. Und die Daten nützen nur dem, der daraus auch bessere Ergebnisse machen kann.

Qwant und Ecosia bauen einen europäischen Index

Die wichtigere Entwicklung kommt aus Europa selbst. Die französische Suchmaschine Qwant und die deutsche Suchmaschine Ecosia haben gemeinsam das Unternehmen European Search Perspective (EUSP) gegründet. Es baut unter dem Namen Staan einen eigenen europäischen Suchindex auf.

Seit 2025 liefert Qwant in Frankreich Ergebnisse aus diesem Index. Seit dem 30. Juli 2026 zeigt auch Ecosia in Deutschland Ergebnisse aus dem europäischen Index. Ganz unabhängig sind beide noch nicht. Je nach Anfrage mischen sie weiterhin Ergebnisse von Bing oder Google bei. Auch die Werbung, mit der Ecosia sein Geld verdient, kommt bisher über Microsoft und Yahoo.

Daneben entstehen weitere Bausteine. Das von der EU finanzierte Forschungsprojekt OpenWebSearch.EU hat einen offenen Webindex als Pilot aufgebaut, den künftig auch andere Unternehmen und Forschungseinrichtungen nutzen könnten. Die tschechische Suchmaschine Seznam betreibt seit Jahren einen eigenen Index und beweist damit, dass das in Europa möglich ist.

Ein eigener Index löst nicht jede Abhängigkeit. Er braucht Rechenzentren und Netze, und wer ihn vollständig bei einem amerikanischen Cloudanbieter betreibt, hat das Problem nur verlagert. Ohne eigenen Index können europäische Suchmaschinen aber gar keine eigenen Ergebnisse liefern.

Wer nur Google nutzt, sieht nur Googles Auswahl

Wer ausschließlich Google nutzt, sieht nur das, was Google ihm zeigen will. Google entscheidet, welche Seiten oben stehen, welche weit hinten verschwinden und wo Werbung und eigene Dienste von Google erscheinen. Was dort nicht auftaucht, existiert für die meisten Nutzer gar nicht, denn kaum jemand blättert auf die zweite Seite der Ergebnisse. Eine Suchmaschine mit eigenem Index zeigt oft andere Treffer und macht sichtbar, dass es auch eine andere Auswahl gibt.

Mit KI wird diese Auswahl noch enger. Seit dem 26. März 2025 zeigt Google auch in Deutschland bei vielen Suchanfragen ganz oben eine KI Zusammenfassung an, Google nennt sie KI Übersicht. Sie beantwortet die Frage direkt auf der Ergebnisseite, ohne dass man eine Webseite öffnen muss. Das Pew Research Center hat 2025 in den USA untersucht, wie sich das auswirkt. Ohne KI Zusammenfassung klickten Nutzer bei 15 von 100 Suchen auf eines der normalen Suchergebnisse. Stand eine KI Zusammenfassung darüber, klickten sie nur noch bei 8 von 100 Suchen auf eines der normalen Suchergebnisse darunter. Die Zusammenfassung selbst nennt ihre Quellen zwar als Links, doch diese Links klickten Nutzer nur bei einer von 100 Suchen an. Bei rund 90 von 100 Suchen mit KI Zusammenfassung öffneten Nutzer also gar keine Webseite.

Wer so sucht, liest eine einzige Antwort, die Google aus Seiten seiner Wahl zusammengestellt hat. Diese Antwort sieht aus, als käme das Wissen von Google selbst. Tatsächlich stammt es von anderen Webseiten: von Redaktionen, Fachportalen, Blogs und Foren, die die Inhalte recherchiert und geschrieben haben. Weil kaum noch jemand auf diese Seiten klickt, verlieren sie Besucher und damit die Einnahmen, mit denen sie ihre Arbeit bezahlen. Deshalb ist inzwischen vom Sterben vieler Webseiten die Rede. Das ist ein eigenes Thema, das dieser Beitrag nicht weiter behandelt.

Suchanfragen verraten viel über einen Menschen

Wer sucht, verrät, was ihn beschäftigt: Krankheiten, Geldsorgen, Reisepläne, politische Fragen. Google kann Suchanfragen mit dem Google Konto, mit YouTube und anderen eigenen Diensten verknüpfen und nutzt diese Daten für Werbung. Dazu kommt das US Recht. Nach dem CLOUD Act von 2018 können US Behörden von amerikanischen Unternehmen Daten verlangen, auch wenn diese in Europa gespeichert sind.

Qwant gibt an, keine Cookies zum Nachverfolgen zu setzen, keine persönlichen Profile anzulegen und Suchanfragen nicht zu speichern. Nachprüfen kann der einzelne Nutzer das nicht. Für Qwant als französisches Unternehmen gilt aber in erster Linie europäisches Recht.

Warum es auf jede Suchanfrage ankommt

Eine Suchmaschine wird nur besser, wenn Menschen sie benutzen. Jede Anfrage zeigt, welche Ergebnisse passen und welche nicht. Jede Anfrage bringt außerdem Werbeeinnahmen, mit denen der Index weiter ausgebaut wird.

Google hat diesen Vorsprung über mehr als zwei Jahrzehnte aufgebaut. Wer von Qwant oder Ecosia dieselbe Qualität verlangt, bevor er sie überhaupt nutzt, sorgt dafür, dass sie nie aufholen.

Man muss Google nicht ganz aufgeben. Für viele alltägliche Suchanfragen sind Qwant und Ecosia schon heute gut nutzbar. Bei sehr speziellen Fragen, bei der Suche nach Geschäften in der Nähe oder bei ganz aktuellen Ereignissen findet Google oft noch mehr. Für diese Fälle bleibt Google jederzeit erreichbar.

Fazit

Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Google seine Suche für Europa abschalten will. Die eigentliche Frage ist, ob Europa vorbereitet wäre, wenn Google oder Microsoft die Bedingungen einseitig ändern. Microsoft hat mit der Abschaltung der Bing Schnittstellen gezeigt, dass das passieren kann. Dazu kommt, dass Google bestimmt, was seine Nutzer zu sehen bekommen. Mit den KI Zusammenfassungen ist das oft nur noch eine einzige Antwort. Und mit jeder Anfrage erfährt Google mehr über die Menschen, die suchen.

Mit Qwant, Ecosia und ihrem gemeinsamen Index gibt es erstmals eine europäische Alternative, die ihre Abhängigkeit Schritt für Schritt verringert. Ob das gelingt, entscheidet sich nicht nur in Brüssel, sondern auch bei jeder einzelnen Suchanfrage. Wer Qwant oder Ecosia im Alltag ausprobiert, hat damit schon einen Anfang gemacht.